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Forschung: Der Reiz des Rätsels

Ästhetik, Epistemologie, Politik und Ethik einer modernen Reflexionsfigur
Der Reiz des Rätsels
Das wissenschaftliche Netzwerk erforscht das Rätsel als moderne Reflexionsfigur mit einem Expertise-Schwerpunkt in den Literaturwissenschaften und unter Einbeziehung der Philosophie, Medien- und Geschichtswissenschaft sowie Soziologie.
Inhalt

Der Reiz des Rätsels

Das Rätsel ist immer zugleich Frage und Antwort: Es verschleiert, führt aber stets das Versprechen seiner Enthüllung mit sich. Mit dieser paradoxen Verdichtung setzt das Rätsel eine Denkbewegung in Gang, die von seiner Lösbarkeit ausgeht: Hat man die Verunklarung der Frage durchdrungen, scheint die Antwort greifbar. Als eine „invertierte Definition“ (Fasbender 2007, 627) ist das Rätsel eine Erklärungsformel, die das zu Erklärende vorenthält und durch Verschlüsselung in weite Ferne rückt. Diese asymmetrische Verteilung des Wissens lässt die Ratenden über Hürden und Abwege um- und weiterdenken.

Das Rätsel gilt als eine der ältesten Denkformen abendländischer Kulturgeschichte und verbindet zwei Traditionen mitsamt ihren unterschiedlichen Kontexten und Bedeutungsnuancen (vgl. Wohlleben 2014, 11-30): Im aenigma, der dunklen Andeutung, spiegelt sich das undurchsichtige Wissen der Götter. Das aenigma findet sich im Orakelspruch oder im Mythos und hatte für den Menschen im Altertum eine existenzielle Dimension. Es erforderte metaphysischen Tiefsinn, der nur wenigen vorbehalten war, und übertrat die Grenzen des Erkennbaren (vgl. König 1992, 187f.). Die Verdunklung und Verschlüsselung von Sinngehalten verbindet das aenigma zudem mit der antiken rhetorischen Figur der obscuritas, der verhüllenden Rede, die von den Rezipierenden eine mühsame Entschlüsselung des gemeinten Sinns verlangt (vgl. Walde u.a. 2003, 358-366; Al-Taie 2022, 18f.). In seiner zweiten Tradition – griphos = „Netz“, „Falle“ – bezeichnet das Rätsel die zwischenmenschliche Kommunikationssituation des Wettstreits, in dem eine rätselstellende eine ratende Instanz dazu auffordert, einen Rätselspruch zu lösen und dadurch ihre Gelehrsamkeit unter Beweis zu stellen. Hier rückt der spielerische Charakter des Rätsels in den Vordergrund, aber auch die List der Verschlüsselung (vgl. Scheuer 2024), die die Ratenden auf falsche Fährten locken und so idealerweise lange Zeit vom Erfolg der Lösung distanzieren soll (vgl. Düwell 2018, 189). In der griphos-Tradition schafft das Rätsel offenkundig eine Disziplinarsituation (vgl. Jolles 1969, 130), die jedoch auch die Bedeutungsdimension des aenigma durchzieht, denn das Rätsel fungiert hier als ständiger Anreger, aus den Zeichen der Welt eine höhere Wirkmacht zu entschlüsseln, um sich damit als würdig zu erweisen (vgl. Schnarr 1971, 87f.).

Während seine Verbreitung in Rätselbüchern, im Wettstreit am Hof und in der geselligen Salonsituation bis in das Barockzeitalter philologisch gut aufgearbeitet wurde (Schupp 1972; Tomasek 1994; Bismark 2007), ist der Verbleib des Rätsels in der Moderne erklärungsbedürftig. In der Literaturwissenschaft herrscht die These vor, dass das Rätsel mit zunehmender Obsoleszenz vormoderner Rituale seit der Aufklärung, spätestens aber mit seiner Reduktion auf die „nackte Struktur“ (Schupp 2002, 207f.) des Kreuzworträtsels um 1900 jegliche soziale Relevanz eingebüßt habe (Schittek 1991, 21-23). Diese Annahme ist aus mehreren Gründen revisionsbedürftig: Sie reduziert das Rätsel auf das spielerische Volksrätsel und übersieht die Kontinuitäten zwischen der ‚einfachen‘ Form und ihren gegenwärtigen Aktualisierungen – etwa im Karten- und Brettspiel (vgl. Steglich/ Stubenrauch 2022), im Video-, Computer- und Rollenspiel (vgl. Montfort 2003, 37-64) sowie in der Eventkultur (Quiz, Escape-Room, Krimidinner). Darüber hinaus wird mit der These des Relevanzverlusts der historische Wandel verdeckt, den das Rätsel erfuhr: Unter Einbußen seiner ritualisierten Funktion taucht es seit dem 18. Jahrhundert als Handlungsstruktur in modernen Genres, als Argumentationsfigur in Methoden und Theorien, als Rhetorik in politischen Gründungsnarrativen und als Spielform in medialen Unterhaltungsformaten auf.

Das Forschungsnetzwerk setzt sich daher zum Ziel, den modernen Formen und Funktionen des Rätsels nachzugehen und dem Schwundnarrativ eine historisierende und systematisierende Grundlagenforschung zum Rätsel in der Moderne entgegenzusetzen. Wir gehen von der Hypothese aus, dass mit der Herausbildung der modernen Gesellschaft im 18. Jahrhundert neue Erzählstrukturen, Erkenntnismethoden und Kommunikationsformen entstanden, die sich die Logik und Ästhetik des Rätsels zunutze machten. Die Untersuchung dieser Hypothese verlangt eine historisch komparative Perspektive, die erstens berücksichtigt, welche Rätselformen mit der historischen Transformation verschwanden und welche neu entstanden, zweitens den Phänomenen Rechnung trägt, die den historischen Wandel überdauerten, und drittens die Rezeptionsprozesse beleuchtet, in denen vormoderne Versionen bewusst reaktualisiert und in neue Zusammenhänge eingelesen wurden. Im Zentrum des Gesamtprojekts stehen die Fragen, durch welche formalen, funktionalen und kontextuellen Faktoren das Rätsel in der Moderne zur Schwellenfigur zwischen Literatur- und Medienästhetiken, Philosophie, Wissenschaftsgeschichte und Gesellschaftstheorie wurde, und wie es sich in dieser Funktion im Laufe der Moderne verändert hat.

Mit seiner konstitutiven Paradoxie aus Verrätselung und Erratbarkeit bietet das Rätsel offenbar etwas an, das es für die Selbstverständigung und epistemische Selbstreflexion der Moderne reizvoll macht. Bei aller scheinbaren Undurchdringlichkeit beruhten die Denkbewegungen in griphos und aenigma auf der Gewissheit, dass eine übergeordnete Instanz des Rätsels Lösung kennt. Mit dem Eintritt in die moderne Episteme brechen große Teile dieses Rückhalts weg. Das Rätsel taucht nun immer dort auf, wo die gemeinsame Wirklichkeit auf dem Spiel steht (vgl. Gamper 2017, 93f.). Es offenbart die Realität als eine intersubjektive Vereinbarung und markiert verlorene Transzendenzen. Insofern es etwas Unerklärliches in die durchrationalisierte und empirisch kartographierte Welt einträgt, verweist das Rätsel kontinuierlich auf bislang unerkannte Geheimnisse und stellt damit die soziale Ordnung infrage (vgl. Durst 2007, 177). Zugleich provoziert es zur Stabilisierung der Ordnung (vgl. Boltanski 2013, 36f.), denn die alte Form transferiert auch ihr Versprechen der Lösbarkeit in neue Kontexte: Ein Rätsel zu sehen, ermöglicht es, an eine innere Logik im Unklaren sowie an die Existenz einer Antwort zu glauben. In unserer Gegenwart zeigt sich diese Attraktivität besonders in der Konjunktur des verschwörungstheoretischen Denkens: Hinter unauflösbarer Komplexität Rätselstrukturen zu erkennen, verspricht nicht nur eine sinnstiftende Lösung, sondern macht den Skeptiker auch zum privilegierten ‚Seher‘ verborgener Zusammenhänge. Das Rätsel in der Moderne ist beides: die Markierung einer Störung der Realität wie auch das Verfahren, durch das die Störung aus der Welt geschafft und die Realität wieder lesbar wird. Obwohl unter ganz anderen Vorzeichen, bleiben die aenigma- und griphos-Traditionen somit über die Zeit hinweg formbildend und verschmelzen zu einer Grundstruktur moderner Realitätswahrnehmung, -aushandlung und -darstellung. Im Detektivroman, in der Psychotherapie, im hermeneutischen Verstehensprozess, im Escape-Room oder im Konspirationismus: Immer geht es beim Rätsellösen darum, ausgehend von einem schier unlösbaren ‚Fall‘ theoretische, soziale, politische oder ästhetische Lösungen zu suchen und sich darin der Wirklichkeit zu versichern. Der Reiz des Rätsels in der Moderne beruht also auf seiner Doppelfunktion der Destabilisierung und Restabilisierung der Realität. Diese Dynamik verweist auf weitere Paradoxien des Rätsels: Es ist zugleich lustvoll und existenziell bedrohlich, beruhigend und beunruhigend, Spiel und bitterer Ernst, gemeinschaftsbildend und exkludierend.

Das Netzwerk geht den verschiedenen Formen und Funktionen der Realitäts(de)stabilisierung durch das Rätsel in der Moderne in vier Forschungsbereichen nach:

  • der Untersuchung von Rätselstrukturen in ihrer konstitutiven Rolle für moderne Ästhetiken und spätmoderne Unterhaltungsformate,
  • der Beschäftigung mit Rätselepistemologien in modernen wissenschaftlichen Disziplinen und Methoden, in der Gesellschafts- und Kulturtheorie sowie in der Entwicklung und Konjunktur von Konspirationismen,
  • den Politiken des Rätsels in Form der Verteilung sozialer Macht und gesellschaftlichen Geheimwissens sowie
  • den Ethiken des Rätsels, die zwischen der Anerkennung des Anderen als ‚rätselhaft‘ und seiner Denormalisierung (Exotisierung, Objektifizierung) changieren.

Rätselstrukturen

Im 18. und 19. Jahrhundert revolutionierten populäre Genres (Schauerliteratur, Phantastik, Detektivroman) die Erzählverfahren und Leseerwartungen ihrer Zeit. Rätselbasierte Plotstrukturen bearbeiten in diesen Genres und ihren Aktualisierungen bis heute unsichere Wissensbestände und erzeugen eine Form der Spannung, die auf der Erklärung gegenwärtiger Zustände durch die Aufdeckung von in der Vergangenheit liegenden Ereignissen basiert (Langer 2008, 14; Junkerjürgen 2002, 66ff.; Wenzel 2001, 29-30). Die Beziehung zwischen Rätselsteller:in und -löser:in findet sich auch in dem Verhältnis von Text und Leser:in wieder (Pagis 1996, 81); sie führt zu einer Aktivierung der Rezipient:innen als Spieler:innen (Steglich/ Vijayakumaran 2024) oder dazu, deren Wahrnehmung auf irritierende oder auch unscheinbare Details zu richten, die als Wirklichkeitseffekt, Indiz oder bewusst gelegte Spur verschieden starke Funktionsträger für die Auflösung sein können (vgl. Eder 2011; 2015; Boltanski 2013).

Parallel zu dieser Betonung der Errat- bzw. Lösbarkeit des Rätsels wird auch die Wahrnehmung und Inszenierung von Verrätselungen zum zentralen Merkmal von literarischen Strömungen und Kunstformen der Moderne (vgl. Gamper 2017, 97). Verfahren der Codierung, Techniken der Verschleierung oder Ästhetiken der Undurchschaubarkeit, die durch ikonische Negationen die Opazität des Mediums der Künste in den Vordergrund rücken (vgl. Bennke 2023), schließen dabei erneut an die Tradition von aenigma und obscuritas an. Dieser ‚Rätselcharakter‘ der Kunst wird als Wertungskategorie zudem zu einem Grundthema der modernen Ästhetik. Die Bezeichnung ‚rätselhaft‘ kann Qualität attestieren und ‚unwürdige‘ Konsument:innen vom Verständnisprozess ausschließen (vgl. Adorno 1998, 183; Jolles 1969, 135) oder auf einen Gegenwartswert verweisen, der in der Bearbeitung von etwas bisher (gesellschaftlich) Ungelöstem begründet liegt (vgl. Stubenrauch 2024, 250f.).

Auf diesen Beobachtungen aufbauend wählt das Netzwerk als einen ersten Forschungsschwerpunkt die Analyse moderner Rätselstrukturen in ihren historischen Transformationen bis in die Gegenwart. Zu fragen ist nach der zeitlichen Dimension des Rätselprozesses als Zusammenspiel von Verzögerung und plötzlicher Erkenntnis (vgl. Barthes 1987, 78ff.; Bijelic/ Vinzent 2025), den historischen Tendenzen von Rätselpoetiken, den multimedialen und materialen Darstellungen des Rätselhaften oder auch den Aktualisierungen von antiken und mittelalterlichen Rätselstoffen und -verfahren.

Der Reiz des Rätsels zeigt sich in modernen Ästhetiken in ambivalenter Weise: Zum einen greift eine Vielzahl der Rätselnarrative in Literatur, Film und ludischen Formaten die negative Konnotation des Rätsels auf (vgl. Jolles 1969, 130). Der mit Dunkelheit, Schrecken oder Leiden verbundene ‚Riss‘ (Brutalität, sexuelle Gewalt, Spiel mit dem Übernatürlichen) wird hier als lustvoller Akt inszeniert, durch dessen Offenlegung die Wiederherstellung der Ordnung spielerisch erprobt wird. Die Lösungsgarantie der Rätselstruktur kann somit – wie alle Rätselmodalitäten in der Spielkultur – als kompensatorische Entlastung für Rezipient:innen fungieren (vgl. Fix 2000, 197): Anders als in der Realität wird in der Fiktion für das Verbrechen ein Täter, für die Ereignisse ein Motiv und für das Verhalten der Figuren eine Erklärung gefunden; das Kreuzworträtsel hat eine Lösung, der Escape Room einen Ausgang, etc. Zum anderen nutzen moderne Künste das Rätsel zur Variation und Metaisierung der Genre-Traditionen, indem sie die Lösung aufschieben oder ganz verwehren. Die Andeutung von Geheimnissen und Rätseln sowie deren narrative Umsetzung in Plotstrukturen, die den Leser:innen Wissen vorenthalten oder nur in verschlüsselter Form bereitstellen, gestattet bspw. im Geschichtsroman eine Metaisierung erzählerischer Kohärenzbildung und eine Problematisierung intradiegetischer Handlungsmacht bzw. agency (vgl. Axer 2025). Deutlich wird die Verwehrung der Lösung auch in der modernen Lyrik, die seit der Romantik vielmehr Fragen als mögliche Antworten prozessiert, in intermedialen Strategien der gegenseitigen Verschleierung von Text, Ton und Bild, wie sie im Film der Klassischen Moderne umgesetzt werden, oder in der Code-Kunst, wo der Code im Moment seiner Durchführung selbst in den Vordergrund tritt und eine Ikonographie des Kryptischen ausbildet (Bennke 2022, 351). Der Reiz des Rätsels liegt dann gerade in der Undurchdringlichkeit der Zusammenhänge, die eine Reflexion über die epistemischen Grundprobleme der Moderne anregt.

Rätselepistemologien

Die das moderne Rätsel auszeichnende Spannung zwischen dem Versprechen und dem Verwehren seiner Lösbarkeit macht es zu einer begehrten Erkenntnisfigur in Prozessen des Wissenserwerbs. Luc Boltanski hat auf die historisch parallele Entwicklung von sozialwissenschaftlichen Methodiken, dem Detektivroman und dem Krankheitsbild der Paranoia im Verlauf des 19. Jahrhunderts aufmerksam gemacht und damit die Attraktivität der ästhetischen Form für moderne Forschungs- und Diagnoseverfahren ins Licht gerückt (vgl. Boltanski 2013, dazu Coch 2024). Wissenschaftliche und literarische Spurensuche eint der Verdacht, dass sich unter der Oberfläche oder hinter den Kulissen der wahrnehmbaren Phänomene eine zweite Wirklichkeit verbirgt, die es aufzudecken gilt. Solche Verdachtshermeneutiken (Ricœur 1974) durchziehen die Kulturtheorie bis heute, von Marx (Ronge 2018) über Freud (Anker/ Felski 2017) bis hin zu Lacan und Foucault (Latour 2004). Das Rätsel erhält in diesen Theorien eine wichtige epistemologische Funktion: Unerklärliche Ereignisse oder Verhaltensweisen als Rätsel zu rahmen, ermöglicht es der erkenntnissuchenden Instanz, dort, wo zuvor nur Verworrenes war, nun intentionale Verschlüsselungen, rationale oder kausale Zusammenhänge oder kontingente Muster, in jedem Fall aber sinnhafte, quasi-textförmige Ordnungen anzunehmen, die bisher nur noch nicht aufgedeckt wurden (vgl. Coch 2025) und für deren Entschlüsselung auch kein zusätzliches Wissen vonnöten ist (vgl. Gamper 2021, 76f.). Insofern Kulturgüter, Individuen und Gruppen in modernen Wissenschaften und Methodiken zum Rätsel werden, das der bzw. die Analytiker:in zu lösen gedenkt, wiederholt sich der Machtwechsel des Sphinx-Mythos, in dem der ratende Ödipus nicht nur Wissen, sondern auch Dominanz erlangt (vgl. Schmaus 2011, 203-209).

Diese Subjekt-Objekt-Dichotomie sowie die Verbindung der kulturtheoretischen Lektüren mit der Wahrnehmung des Paranoikers oder des Verschwörungstheoretikers wurden bereits mehrfach zum Anlass von Kritik an der westlichen theoriegeschichtlichen Tradition (vgl. Sedgwick 1997; Latour 2004). Das Netzwerk möchte weder die Verdachtshermeneutiken verteidigen noch die postkritische Kritik an ihnen reproduzieren. In seinem zweiten Forschungsschwerpunkt fragt es vielmehr nach dem Reiz und dem pragmatischen Nutzen der Rätselstrukturen für moderne Methoden und Theorien. Basisbildend ist die Hypothese, dass sich Verdachtslektüren insbesondere im 20. Jahrhundert so beharrlich gehalten haben, weil das in ihnen enthaltene Rätsellösen die kulturelle Bedeutungsproduktion in Gang hält und ideologiekritische Anschlusslektüren nach noch wirklicheren Zusammenhängen ermöglicht. Mitunter kann das Versprechen eines privilegierten Zugangs bestimmter Methoden zu solchen verborgenen Beziehungen problematische (wissenschafts-)politische Dimensionen haben (vgl. Axer 2020). Die Produktivität des Rätsels liegt dabei einerseits in seiner motivationalen Wirkung, aus dem Entschlüsseln von Zusammenhängen Erkenntniserfolge zu erzielen, und andererseits in seinem ästhetischen und unterhaltsamen Wert, der die Leser:innen dazu animiert, der Spurensuche zu folgen (vgl. Anton/ Schetsche/ Walter 2024, 7f.). Der Reiz des Rätsels bringt nicht nur die Atmosphäre des Mysteriösen und Spannenden in die entzauberte Welt moderner Wissensproduktion, sondern hilft auch dabei, die Relevanz von Forschungsfragen über längere Zeiträume hinweg zu postulieren. Im Rahmen dieses zweiten Forschungsschwerpunkts interessieren uns die kultur- und gesellschaftstheoretischen Rätsellektüren kultureller und sozialer Phänomene ebenso wie die Belastbarkeit von erhobenen Daten und Fakten im Zeitalter von Big Data und Fake News sowie die Faszination unserer Gegenwart für Verschwörungen und Verschwörungstheorien.

Politiken des Rätsels

In politischer Hinsicht durchzieht das Rätsel die Wahrnehmungs- und Reflexionsformen der Moderne: Die Gründung moderner Staatlichkeit als politische Ordnung, die ohne einen Transzendenzbezug Herrschaft organisiert (Lefort 1990), bringt eine permanente Fragwürdigkeit und Infragestellung der Machtverteilung mit sich (Hebekus/ Matala de Mazza 2003; Balke 2009), die schon politische Denker wie Machiavelli, Hobbes und Montaigne auf verschiedene Weise zum Thema machten. Auch werden historische Ereignisse – z.B. Gründungsakte wie Revolutionen – als nationale Tradition oder Forschungsgegenstand aufgrund ihrer Opazität und Ambiguität oft und gerne als ‚Rätsel der Geschichte‘ gefasst, die Fragen nach der Agency einzelner Akteure, Kontextbedingungen oder nach der Rolle von Zufällen aufkommen lassen (vgl. Frenzel 1988, X; Precht 2023). Zur politischen Dimension des Rätsels gehört auch die Geschichte bürgerlicher Geheimgesellschaften, die den Zugang zur Wertegemeinschaft an den Schutz eines exklusiven arkanen Wissens banden und bis heute ein soziales und populärkulturelles Faszinosum bilden (vgl. Hoffmann 2000, 29-45; Stubenrauch 2022, 12-17).

In ihrem dritten Forschungsschwerpunkt widmet sich die Netzwerkgruppe den Zusammenhängen von politischer Kommunikation und arkanem Herrschaftswissen in der Moderne. Mit André Jolles und Michel Foucault ist zu fragen, auf welche Weise auch moderne Wissensgesellschaften den Zutritt zu Diskursen mithilfe von Verrätselungen regulieren (vgl. Foucault 2001, 26-28) und somit die alte Rätselsituation des Zwangs und der Prüfung tradieren (vgl. Jolles 1969, 131f.). Anschließend an die soziologischen Überlegungen Georg Simmels interessieren daher auch die Funktionen von Geheimnissen und Geheimräumen für die historische Transformation des Gemeinwesens. Simmel folgend geht die Netzwerkgruppe davon aus, dass gesellschaftliche Entwicklung maßgeblich durch die Verschiebung geheimer Sphären organisiert wird (vgl. Simmel 1993), was besondere Aufmerksamkeit auf die Rolle der Medien in solchen Prozessen wirft: Als Rätsel werden die Geheimnisse der Gesellschaft immer dann wahrgenommen, wenn es materielle Hinweise auf die Geheimhaltung gibt, die ihre potenzielle Dechiffrierbarkeit versprechen. Der dritte Forschungsschwerpunkt rückt solche Materialisationen des Geheimnisses im Rätsel ins Zentrum ebenso wie intermediale Strategien der Arkanisierung (vgl. Jäger 2009), die sich, so die Ausgangsthese, an den sozialen Mechanismen von Geheimhaltung und -aufdeckung in ihrem medien- und technikgeschichtlichen Wandel abarbeiten.

Eine weitere Fragestellung ergibt sich aus der historisch auffälligen Konjunktur spielerischer Disziplinierungsformen in der Spätmoderne, in denen Machtstrukturen inszeniert werden: Die rätselstellende Instanz im Kartenspiel Black Stories wird als „Gebieter“ bezeichnet, im Escape Room bedeutet Gewinnen Entkommen und vom Gamebook über Textadventures bis zum zeitgenössischen Videospiel lässt sich die Konvention verfolgen, Scheitern mit Tod gleichzusetzen. Dass Spieler:innen gern und freiwillig Situationen des Zwangs und der ungleichen Wissensverteilung aufsuchen und damit die scheinbar überholte Kommunikationssituation des ‚Halslöserätsels‘ – „rate oder stirb!“ – im Spiel reaktualisieren, spricht einmal mehr für den Reiz, den die Ent-Spannung des gemeinsamen Rätsellösens ausübt.

Ethiken des Rätsels

Das Rätsel ist – ob als literarische Gattung, wissenschaftliche Methodik oder Regulation politischer Kommunikation – eine dialogische Form, die den Anderen braucht, um sich zu realisieren (vgl. Wohlleben 2009, 75; 82). Insofern hat das Rätsel immer auch eine ethische Komponente, die mit seiner hermeneutischen Dimension in einem Spannungsverhältnis steht. Für Emmanuel Lévinas ist die Rätselhaftigkeit des Anderen gerade nicht auflösbar: Hier steht das ‚Antlitz‘, im Gegensatz zum Gesicht, das physiognomischen und hermeneutischen Lektüren zugänglich ist (vgl. Deleuze/ Guattari 1992), für den permanenten Entzug des Anderen und gewährleistet dessen Freiheit, ein Rätsel zu bleiben (vgl. Lévinas 1987). In feministischen und postkolonialen Theorien wird dieser Verstehensentzug des Anderen vor allem für solche Subjekte angenommen, die sich mit der patriarchalen bzw. westlichen Logizität nicht vollständig begreifen lassen (vgl. Sedgwick 1990; Du Bois 1997). Das Rätsel wird damit zur Bedingung von Subversion. Die kulturgeschichtliche Verrätselung des unbegreiflichen Anderen ist jedoch mindestens ethisch ambivalent: Die Literatur und Kunst der Jahrhundertwende etwa bezeugen, dass unterdrückte Subjekte immer wieder als rätselhaft sexualisiert oder exotisiert wurden, wobei gerade ihre ‚mysteriöse‘ Erscheinung oder ihr ‚abweichendes‘ Verhalten Anlässe für Projektionen des Begehrens boten. Zudem stellt die dialogische Struktur des Rätsels immer wieder auch Kontexte für ethische Gewalt bereit (Butler 2003), bei der der Andere in einer asymmetrischen Kommunikationssituation zu einer Antwort gezwungen wird.

Diese ethischen Ambivalenzen des Rätsels macht das Netzwerk zu seinem vierten Forschungsschwerpunkt. Es konzentriert sich darin auf Phänomene, in denen die Verstehens- und Wertungsfigur auf die Lektüre von Personen übertragen wird (dazu schon: Grimm 1886, 194). Die Rätselhaftigkeit einer Person kann ihre Fremdheit, aber auch ihre Tiefgründigkeit und Komplexität meinen und damit ihre Lektürewürdigkeit betonen. Die Haltung des Rätsellösens changiert – der ethischen Ambivalenz entsprechend – zwischen der Akzeptanz des Anderen in seiner Unzugänglichkeit und der Obsession, das Differente zu verstehen und einzuhegen. In diesen vierten Forschungsschwerpunkt fallen darüber hinaus Analysen der ethischen Aktivierung von Leser:innen und Spieler:innen durch Rätselnarrative, die eine Lösung verweigern, diese über die Diegese hinaus verlagern oder einen Unterschied zwischen der faktenbasierten Lösung des Rätsels und der moralisch validierten Auflösung des Narrativs machen können. Diese Analysen werden ergänzt um solche Fälle, in denen die moderne Rätselstruktur zum Genuss des realen Grauens einlädt: Die True Crime-Konjunktur unserer Gegenwart ist ein lohnenswertes Beispiel für die unterschiedlichen moralischen Lizenzen, die fiktionalen und faktualen Kriminalgeschichten verliehen werden (vgl. Franzen 2018). Denn während der ‚Thrill‘ des Mitratens und die Faszination für besonders grausame Verbrechen im Bereich des Fiktionalen unbeschwert genossen werden können, fallen äquivalente Lektüreerfahrungen im Bereich des Faktualen in ethische Grauzonen (vgl. Beck/ Franzen 2022, 15f.). Wie sich die historische Konjunktur der True Crime-Erzählungen in unserer Gegenwart erklären lässt, ist für die Netzwerkgruppe ebenso relevant wie die Frage, ob Empathie und Rezeptionsgenuss in einem proportionalen Verhältnis stehen, sich die Lust am realen Verbrechen also möglicherweise aus der stärkeren ethischen Involviertheit speist.

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Inhalt
Inhalt: Der Reiz des Rätels