Unsere Forscher:innen

Die Mitglieder des Forschungsnetzwerks
Eva Stubenrauch

Dr. Eva Stubenrauch

Koordination
Neue deutsche Literaturwissenschaft
Humboldt-Universität zu Berlin

Eva Stubenrauch befasste sich im Rahmen ihrer Dissertation über Zukunftsimaginationen der Moderne intensiv mit Modellen der Vorausdeutung, Vorahnung und alternativen Möglichkeiten. Die geplante Forschungstätigkeit innerhalb des Netzwerks ist durch diese Vorarbeiten motiviert und verbindet sie mit drei weiteren Forschungsinteressen, denen sie in Publikationen und Vorträgen nachgegangen ist: der Theoriegeschichte, der Populärkulturforschung und der politischen Bedeutung fiktionaler Szenarien. Das Rätsel als Form zu denken, die all diese Bereiche durchzieht, kommt der interdisziplinären Ausrichtung ihrer Forschung entgegen und ermöglicht es ihr, unterschiedliche Bereiche der Wissensproduktion in Moderne und Spätmoderne strukturell miteinander zu vergleichen.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Eva Stubenrauch (2024): Entleert bedeutsam. Tellkamp und der Literaturbetrieb. In: Moritz Baßler/ Philipp Pabst (Hg.): Bedeutsamkeit. Beiheft der ZfdPh, Nr. 02, S. 235-255.
Eva Stubenrauch (2022): Vom Street Battle zum Endkampf: Politische Ambiguität bei Kollegah. In: Immanuel Nover/ Kerstin Wilhelms (Hg.): The Sound of Germany – Wie politisch ist der deutsche Pop? Sonderband Textpraxis
Eva Stubenrauch, Dana Steglich (2022): Spiel des Makabren. Normverzicht als Gattungstransformation im Krimirätsel black stories. In: Sandra Beck/ Johannes Franzen (Hg.): Kriminalerzählungen der Gegenwart. Zur Ästhetik und Ethik einer Leitgattung. Baden-Baden: Rombach, S. 183-204.
Dana Steglich

Dr. Dana Steglich

Ko-Koordination
Anglistik, Komparatistik
Johannes Gutenberg-Universität Mainz/ Germersheim

Dana Steglichs Expertise liegt in der Erforschung popkultureller Phänomene sowie fantastischer Genres und Textformen: In ihrer Dissertation (Heidelberg 2022) beschäftigte sie sich mit dem Werk eines Vorreiters der modernen Fantasy-Literatur, dem Anglo-Iren Lord Dunsany, dessen literarisches Schaffen sie dabei durch das Konzept des Eskapismus perspektivierte. Die Auseinandersetzung mit literaturkritischen Wertungskategorien auf der einen und Rezeptionserfahrungen und -bedürfnissen auf der anderen Seite informierte auch ihre Arbeit im Bereich der Spoiler- und Spannungsforschung sowie ihre Beschäftigung mit den Überschneidungsflächen von Spiel und Literatur in aleatorischen Texten (Bielefeld 2024), ergodischer Literatur und Gamebooks.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Dana Steglich, Jana Vijayakumaran (2024): Literarische Aleatorik. Zur Form- und Rezeptionspoetik von Zufallstexten. Bielefeld: Transcript.
Eva Stubenrauch, Dana Steglich (2022): Spiel des Makabren. Normverzicht als Gattungstransformation im Krimirätsel black stories. In: Sandra Beck/ Johannes Franzen (Hg.): Kriminalerzählungen der Gegenwart. Zur Ästhetik und Ethik einer Leitgattung. Baden-Baden: Rombach, S. 183-204.
Andreas Anton

Dr. Andreas Anton

Soziologie
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (Freiburg)

Andreas Anton forscht seit vielen Jahren aus wissenssoziologischer Perspektive zum Thema Verschwörungstheorien. Aufschluss über die Faszination, die von Verschwörungstheorien ausgeht und die an sich ein komplexes soziales Phänomen darstellt, kann das Rätsel bieten: Im Kern jeder verschwörungstheoretischen Deutung steht der Verdacht oder die Gewissheit, dass ‚etwas nicht stimmt‘, dass sich ‚hinter den Kulissen‘ etwas abspielt, dass eine verborgene, verschleierte Wirklichkeit existiert, ein Rätsel, das es zu lösen gilt. Daher münden Antons Vorarbeiten in zahlreiche Forschungsfragen des Netzwerks, insbesondere die wissenssoziologisch orientierte Frage nach der Bedeutung, der Ästhetik und dem Reiz des Rätselhaften in den rationalen Wissensgesellschaften der ‚entzauberten‘ Welt.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Andreas Anton, Michael Schetsche (2020): Vielfältige Wirklichkeiten. Wissenssoziologische Überlegungen zu Verschwörungstheorien. In: Sören Stumpf/ David Römer (Hg.): Verschhwörungstheorien im Diskurs: Interdisziplinäre Zugänge. 4. Beiheft der Zeitschrift für Diskursforschung. Weinheim: Belz Juventa, S, 88-115.
Andreas Anton, Alan Schink (2021): Der Kampf um die Wahrheit. Verschwörungstheorien zwischen Fake, Fiktion und Fakten. München: Komplett-Media.
Andreas Anton, Michael Schetsche, Michael K. Walter (2024): Vorbemerkungen zur zweiten Auflage. In: dies. (Hg.): Konspiration. Soziologie des Verschwörungsdenkens. Wiesbaden: Springer VS, S. 1-13.
Profile

Dr. Eva Axer

Neue deutsche Literaturwissenschaft
Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (Berlin)

Eva Axer leitet den Programmbereich „Lebenswissen“ am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. Sie verfasst derzeit eine problemorientierte Gattungsgeschichte der deutschen Kunstballade, die zu den Anfängen fantastischer Literatur in Deutschland gezählt wird, und arbeitet den historischen Gattungsdiskurs auf, der in Hinsicht auf das ‚Mysteriöse‘ (Goethe) und die ‚Rätselhaftigkeit‘ (A. W. Schlegel) der Texte bereits zwischen erzähltechnischen und inhaltlichen Momenten unterscheidet. Eva Axer hat sich zudem in fachgeschichtlicher Perspektive mit der Erforschung der ‚einfachen Formen‘ befasst, zu denen das Rätsel nach André Jolles gezählt wird, u.a. mit den funktionalen Zuschreibungen, die sich an die Form des Rätsels knüpften.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Eva Axer (2025): “Now put me to use.” Kleine Formen in Kim Stanley Robinsons Anthropozän-Roman „The Ministry for the Future“. In: Kulturwissenschaftliche Zeitschrift, Schwerpunktheft: Geistesgegenwart und Nachdenklichkeit, S. 106–129.
Eva Axer (2020): „Jedesmaligkeit“. Ganzheitsdenken und die Verzeitlichung von Form in André Jolles’ „Einfache Formen“. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 94/ 2: Goethes Zeitkonzepte, S. 237-266.
Friedrich balke

Prof. Dr. Friedrich Balke

Medienwissenschaft
Ruhr-Universität Bochum

Friedrich Balke hat sich in seiner Funktion als Sprecher des DFG-Graduiertenkollegs „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“ intensiv mit der Funktion dokumentarischer Autorisierungspraktiken und ihrer Infragestellung beschäftigt. Im Zentrum seines Interesses steht dabei ein Konzept des Dokumentwerdens, das die Praktiken und technischen Innovationen erfasst, die das Feld des Dokumentierbaren transformieren und in diesem Zusammenhang auch Fragen nach den Grenzen des Archivs und den Möglichkeiten einer ‚kritischen Fabulation‘ (Saidiya Hartman) aufwerfen. Dass sich moderne Kulturen nicht nur darauf beschränken, immer mehr Wissen über sich selbst und die sie regulierenden Mechanismen zu erwerben, sondern dass sie ein unaufhebbares Verhältnis zum Nicht-Wissen und in diesem Sinne: zum Rätselhaften haben, hat Friedrich Balke in verschiedenen Veröffentlichungen thematisiert.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Friedrich Balke (2025): „Wolken, Flecken und die Forensik atmosphärischer Einschließung“. In: Cornelia Wild (Hg.): Medium Wolke. Figur, Phänomen, Objekt, Zürich: Diaphanes 2025, S. 43-69.
Friedrich Balke (2025): Verdeutlichungsoptionen unbestimmter Auftritte: Counter-forensics und die profondeur politischer Machtarchitekturen. In: Friedrich Balke/Anna Polze (Hg.): Forensisches Auftreten. Postdigitale Mediengefüge an den Rändern der Justiz, Bielefeld: transcript 2025, S. 207-233.
Friedrich Balke (2009): Figuren der Souveränität. München: Fink.
Sandra Beck

Dr. Sandra Beck

Neue deutsche Literaturwissenschaft
Universität Mannheim

Sandra Beck hat sich in ihrer Dissertation intensiv mit Rätselstrukturen kriminalliterarischen Erzählens befasst und breit zur Genregeschichte und zum epistemologischen Potenzial detektivischer und detektorischer Texte (Ernst Bloch) an der Schnittstelle von Ich-Detektion und Wirklichkeitssuche publiziert. Das Genre begleitet in seiner Geschichte als Medien- und Technikarchiv die unumkehrbare Fortschrittserzählung des technischen Zeitalters mit Imaginationen ihrer katastrophischen Potenziale, erzählt aber zugleich davon, wie durch Ensembles technifizierter Wahrnehmungsdispositive und (medien-)technologischer Expertise Kontrolle und Ordnung, Wahrheit und Wirklichkeit wiederhergestellt werden können. Die geplante Forschungstätigkeit innerhalb des Netzwerks baut auf dieser Expertise auf und erschließt für das Themenfeld ‚Literatur und Ermittlung im Spannungsfeld von Ethik und Ästhetik‘ die besondere Relevanz des Rätsels – als Figur unterstellter Bedeutsamkeit, als Nobilitierungsgeste voyeuristischer und totalitärer Zudringlichkeit, als interdiskursives Übersetzungsformat.

Foto: Alexander Münch

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Sandra Beck (2017): Narratologische Ermittlungen. Muster detektorischen Erzählens in der deutschsprachigen Literatur. Heidelberg: Winter.
Johannes Franzen, Sandra Beck (2022): Kriminalerzählungen der Gegenwart. Zur Ästhetik und Ethik einer Leitgattung. In: dies. (Hg.): Kriminalerzählungen der Gegenwart. Zur Ästhetik und Ethik einer Leitgattung. Baden-Baden: Nomos, S. 7-25.
Johannes Bennke

Dr. Johannes Bennke

Medienphilosophie
Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Johannes Bennke hat sich in seiner Dissertation (Bielefeld 2023) mit rätselhaften Formen in der modernen Kunst beschäftigt. Als ‚Obliteration‘ bezeichnete er dabei Praktiken ikonischer Negation (Überschreiben, Tilgen, Vergessen), die entweder ein zerstörerisches oder ein generatives, gestalterisches Potential entfalten. In seinem Habilitationsprojekt Die Kunst digitaler Souveränität (The Art of Digital Sovereignty) analysiert er Formen digitaler Souveränität in Kunst und Medien, entwickelt einen medienhistorischen und medientheoretischen Ansatz für Protokolle und entwickelt ein Prototyp für die Verwaltung des digitalen Kulturerbes durch KI und Web3-Technologien. Als Principal Investigator des von der Volkswagen Stiftung geförderten Forschungsprojektes „Protocol Studies: Making Art, Rethinking Law, Crafting Social Relations“ forscht er an der Schnittstelle von Medienwissenschaft, philosophischer Ästhetik und künstlerischer Forschung zur „protocol art“ in der zeitgenössischen (post-)digitalen Kunst. Sein Interesse zielt dabei auf Spuren des Rätsels bzw. Praktiken des Verbergens als mediale und ästhetische Strategien, um darin ein grundlegendes, strukturbildendes Geheimnis moderner Gesellschaften sowie deren verborgene Gewaltverhältnisse sichtbar zu machen und alternative Ansätze in der Kunst explizit zu machen.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Johannes Bennke (2026): Digitaler Vitalismus – Medialität und Ästhetik der Kryptokunst. In: Emmanuel Alloa, Eva Schürmann (Hg.): Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft, Sonderheft 27: Künste der Medien – Medien der Künste, Hamburg: Meiner.
Johannes Bennke (2023): Obliteration. Für eine partikulare Medienphilosophie nach Emmanuel Levinas. Bielefeld: Transcript.
Johannes Bennke (2022): Vorbemerkungen zu einer Logik des Digitalen. Obfuskation in Codes, Kunst und Datenvisualisierung. In: Oliver Ruf/ Lars C. Grabbe (Hg.): Technik-Ästhetik: Zur Theorie techno-ästhetischer Realität. Bielefeld: Transcript, S. 335-360.
Dina Bijelic

M.A. Dina Bijelic

Mediävistik
Internationales Graduiertenkolleg „Resonante Weltbeziehungen“ (Max-WeberKolleg der Universitäten Erfurt und Graz)

Dina Bijelic schreibt ihre Dissertation über Apokryphität im mittelalterlichen Gralsroman, bei der es darum geht, die absolute kanonische Wahrheit in ein Verhältnis zu den Strukturen apokryphen Erzählens zu setzen und so der religiösen Wahrheit eine poetische entgegenzusetzen. Der Gralsroman bietet sich als Spielfeld für die Untersuchung der Trias religiöse Wahrheit – Geheimnis – Rätsel an, da er vermehrt mit Verschachtelungs- und Verzögerungstechniken arbeitet. Besonders mit Blick auf den Gegenstand des Grals wird durch subtile Strategien des Verbergens und Enthüllens die Erzählung entschleunigt und in andere Erzählungsstränge verlagert; darüber hinaus wird über den Gral häufig mehr suggeriert, als tatsächlich ausgesagt, wodurch ein narrativer Schutzraum um sein Geheimnis entsteht. Das verrätselnde Erzählen bedeutet zugleich das mühsame Aufdecken einzelner Schichten und bietet so den Schlüssel für das Verständnis des geheimen Kerns des Grals und seines Wahrheitsgehalts.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Markus Vinzent, Dina Bijelic (2025): Aventiure und apokryphe Relation. Am Beispiel des Evangeliums von Markion und des Prosa-Lancelot. In: Philip Reich/ Michael Waltenberger (Hg.): Steigerungen und Randgänge. Mittelalterliches Abenteuererzählen und seine Transzendenzen. Paderborn: Brill/ Fink 2025.
Coch

Dr. Charlotte Coch

Neue deutsche Literaturwissenschaft
Universität Basel

Charlotte Coch hat sich in ihrer Dissertation Lektüre als Form. Das absolute Buch bei Friedrich Schlegel, Walter Benjamin und Niklas Luhmann (Bielefeld 2021) sowie im mitherausgegebenen Sammelband Lesen/ Sehen (Bielefeld 2023) intensiv mit den Übergängen zwischen Text und Nicht-Text beschäftigt, von denen das Rätsel eine ausgezeichnete Form darstellt. Die materiellen und medialen Codierungen von Textualität und Lektüre untersucht Coch auch in zahlreichen Aufsätzen zu Science Fiction und transmedialen Narrativen der Gegenwartsliteratur, zur Theoriegeschichte des 20. Jahrhunderts und zur wechselseitigen Bezogenheit literarischer und gesellschaftstheoretischer Schreibweisen.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Charlotte Coch (2025): Reading – Seeing – Counting. The Riddle as an (un)readable artifact. In: con·stel·la·tions 03: Illegibilities Reflecting Reading, hrsg. v. Barbara Bausch. Berlin: Textem, S. 75-84.
Charlotte Coch (2024): Das soziologische Schreiben als literarische Gattung. Luc Boltanskis Theorie der Untersuchung gelesen als Gattungstheorie. In: David-Christopher Assmann (Hg.): Luc Boltanski und die Literatursoziologie. Wiesbaden: Springer Nature, S. 11-32.
Michael Gamper

Prof. Dr. Michael Gamper

Komparatistik
Freie Universität Berlin

Michael Gamper beschäftigt sich seit längerem mit wissensgeschichtlichen und wissenspoetologischen Fragen, dabei auch immer wieder in der Auseinandersetzung mit Phänomenen des Nicht-Wissens. Eine grundlegende These vieler seiner Arbeiten war es, dass Literatur mit ihren rhetorischen, grammatischen, metrisch-prosodischen, ästhetischen, fiktionalen und erzählerischen Verfahren in Bereichen operiert, in denen die Wissenschaften ein epistemologisches Problem aufweisen, so zum Beispiel im Bereich der Wetterkunde. Das Rätsel scheint ihm eine genuin literarische Form zu sein, dieses Nicht-Wissen zu erkunden und darzustellen. Zum Rätsel als literarisches Strukturelement der Prosa gibt es Vorarbeiten, ebenso zum Zusammenhang von Rätsel und Alltäglichkeit.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Michael Gamper (2021): Das Rätsel der Prosa. In: Sina Dell‘ Anno u.a. (Hg.): Prosa: Theorie, Exegese, Geschichte. Berlin, Boston: de Gruyter, S. 69-106.
Michael Gamper (2017): Rätsel kurz erzählen. Der Fall Kleist. In: ders./ Ruth Mayer (Hg.): Kurz & Knapp. Zur Mediengeschichte kleiner Formen vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Bielefeld: Transcript, S. 91-117.
Oliver Precht

Dr. Oliver Precht

Philosophie
Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (Berlin)

Oliver Precht arbeitet seit 2021 an einem Forschungsprojekt über die französische Theoriegeschichte, aus dem u.a. die Monographie Der rote Faden. Maurice Merleau-Ponty und die Politik der Wahrnehmung (Berlin 2023) hervorgegangen ist. Die Dimension des Rätsels als politisch-historisches sowie als literarisch-hermeneutisches Problem war dabei von Anfang an in seiner Forschung präsent und spielt in verschiedenen seiner Veröffentlichungen eine zentrale Rolle. Aktuell beschäftigt ihn besonders die Auseinandersetzung mit dem „Rätsel Machiavellis“ (Benedetto Croce), in der sich zwei Lektüretendenzen abzeichnen lassen, die Machiavellis Texte (und zu einem gewissen Grad auch seine Biographie) entweder als énigme (Simone Weil; Louis Althusser) oder als mystère (Merleau-Ponty; Lefort) begreifen. Eine ähnliche Ambiguität lässt sich in der Lektüre Montaignes (durch Latour und Derrida) feststellen. Diese ambivalenten Rezeptionen zeigen, wie das Rätsel zum Schlüsselbegriff für die politische Philosophie der Neuzeit im Allgemeinen und für die französische Theoriegeschichte im Besonderen wurde.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Oliver Precht (2023): Der rote Faden. Maurice Merleau-Ponty und die Politik der Wahrnehmung. Berlin: August Verlag.
Bastian Ronge

Dr. Bastian Ronge

Philosophie
Bergische Universität Wuppertal

Bastian Ronges Expertise liegt in der Sozialphilosophie, unter besonderer Berücksichtigung der Ökonomie. In seiner Dissertation, Das Adam-Smith-Projekt, hat er das Werk Adam Smiths mit Hilfe von Michel Foucault analysiert (Heidelberg 2015). In der anschließenden Postdoc-Phase hat er sich intensiv mit der Rätselhaftigkeit des Ökonomischen beschäftigt, verschiedene Vorträge zum Thema gehalten und mehrere Aufsätze publiziert, u.a. Kapitalismus als Rätsel (2018) und zum Begriff ökonomischer IrRationalität (Marburg 2022). Zurzeit schreibt er an einer Monographie mit dem Arbeitstitel Kapitalismus als Rätsel, in der er die politischen und ethischen Dimensionen der Rätselhaftigkeit der kapitalistischen Lebensform herausarbeitet und forscht zum Thema „Klassismus“ als Problem der Philosophie.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Bastian Ronge (2018): Kapitalismus als Rätsel. Rätseldenken als Reflexionsform einer Kritischen Theorie des Ökonomischen. In: Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik 19, Nr. 2, S. 270-281.
Hans Juergen Scheuer

Prof. Dr. Hans Jürgen Scheuer

Mediävistik
Humboldt-Universität zu Berlin

Hans Jürgen Scheuer kann das Netzwerk auf der Basis seiner gräzistischen und latinistischen Ausbildung um eine Perspektive der longue durée sowohl der Rätselüberlieferung als auch der Theoriebildung über das Rätsel bereichern. Seine Monographie Der urbane Trickster (Basel/ Berlin 2024) zeigt, wie die Genealogie der Figur den Kanon der ‚einfachen Formen‘ nach Jolles durch eine Enzyklopädie der Sprachmasken ersetzt, die eine jede Tricksterfigur bald als Meister, bald als Opfer, bald als Medium des Wahrsprechens zwischen den sprachlich eigentlich unzugänglichen Sphären der Natur und der Transzendenz ausstellen. Das Buch, das im Kontext seiner Arbeit als PI des Graduiertenkollegs „Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen“ entstanden ist, zeigt, wie kleine Formen hinter den Trickster-Masken ein Reservoir des literarisch und epistemologisch Sagbaren bilden. Die Erstellung eines kritischen Kommentars zu Jolles‘ Rätselkonzept bietet sich zur Weiterentwicklung und Vertiefung seines Forschungsansatzes an.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Hans Jürgen Scheuer (2024): Der urbane Trickster. Eine vormoderne Figur zwischen elementarem Weltwissen und religiöser Intelligenz. Basel/ Berlin: Schwabe.
Doren Wohlleben

Prof. Dr. Doren Wohlleben

Neue deutsche Literaturwissenschaft
Philipps-Universität Marburg

Doren Wohlleben habilitierte sich über das Rätsel als hermeneutische Grenzfigur, die sie in drei Epochen, der Antike, der Frühen Neuzeit sowie der Moderne, komparatistisch konzeptionalisierte (Heidelberg 2014). Zuvor arbeitete sie interdisziplinär zusammen mit Bernadette Malinowski und Jörg Wesche an einem Sammelband zur Kulturhermeneutik der Sphinx (Heidelberg 2011) und ging Rätselspuren in modernen Kriminalromanen nach (besonders bei Leo Perutz). Sie beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem noch wenig erforschten Genre des Poesiefilms, mit besonderer Vorliebe für den surrealistischen Film der Moderne, und will im Rahmen der Netzwerkarbeit das Wechselverhältnis von Bild, Ton und Text im Hinblick auf enigmatische, multimodale Strukturen fokussieren.

PUBLIKATIONEN ZUM THEMA RÄTSEL

Doren Wohlleben (2024): Enigmatik. Das Rätsel als hermeneutische Grenzfigur in Mythos, Philosophie und Literatur. Antike – Frühe Neuzeit – Moderne. Heidelberg: Winter.
Doren Wohlleben (2009): Rätsel und Literatur: Ethische Perspektiven einer hermeneutischen Grenzfigur. In: Günter Butzer/ Hubert Zapf (Hg.): Theorien der Literatur. Grundlagen und Perspektiven, Bd. IV. Tübingen/ Basel: Francke, S. 131-148.